Das Wichtigste in Kürze
Das Handy sortiert grob, es misst nicht: Eindeutig zu dunkel oder eindeutig hell genug erkennen Sie damit, alles dazwischen nicht.
- Faustregel (selbst gerechnet, Annahme: Anzeige liegt bis zu 50 % daneben; kein Normwert): Unter dem halben Zielwert ist es zu dunkel, über dem 1,5-Fachen reicht es.
- Verfahren: Sensor abdecken (Anzeige muss gegen 0 lx gehen), Lampe fünf Minuten einschalten, Handy flach auf die Arbeitsfläche, dreimal messen.
- Grenze: Nachweise für Arbeitsplätze und Streitfälle gehören an ein kalibriertes Luxmeter.
Dieselbe Lampe, drei Handys, drei Zahlen
Dienstagabend, die Schreibtischlampe brennt, das Handy liegt auf der Tischplatte: 300 lx. Die zweite App zeigt 480, das Handy Ihrer Partnerin 190. Welche Zahl stimmt?
Drei Handys, dieselbe warmweiße LED, drei Antworten (DGUV-Messreihe 2017, drei Geräte).
Wahrscheinlich keine, jedenfalls nicht verlässlich. Das zeigt eine kleine Messreihe der DGUV (IAG, 2017): Drei Smartphones lagen neben einem Referenzgerät, warmweißes Licht (2.950 K), Referenz 100, 515 und 1.011 lx. Gerät 1 meldete 137, 660 und 1.237 lx, Gerät 3 meldete 78, 432 und 790 lx. Und Gerät 2 zeigte 238, 594 und 190 lx: In der hellsten Stufe also weniger als in der dunkelsten.
Das Lichtlabor DIAL fand Abweichungen bis zu 113 %: Bei 500 lx Referenz zeigte eine Kombination aus Android-Handy und kostenloser App 1.063 lx. Die beste Kombination, ein iPhone 5 mit einer App, lag nur 3 % daneben — und bei 100 lx Referenz mit 11 lx um 89 %. Ein Treffer ist also kein Beleg. Vier baugleiche iPhone 5 mit derselben App lieferten teilweise völlig unterschiedliche Ergebnisse.
Die Hochschule Maribor prüfte 2022 zehn Handys. Bei 400 lx Referenz zeigten fünf Apps auf einem iPhone 136, 141, 290, 400 und 400 lx.
| Quelle | Geräte | Messbedingungen | Spanne | Einschränkung |
|---|---|---|---|---|
| DGUV-IAG 2017 | 3 Smartphones | Warmweiß 2.950 K, Referenz 100 bis 1.011 lx | bei 100 lx Referenz: 78 bis 238 lx | „keine abgesicherte Statistik“ (DGUV selbst) |
| DIAL | 7 Handy-Modelle, jeweils mit Apps | Lichtlabor, Referenzgerät der Genauigkeitsklasse A | 3 % bis 113 % je Kombination | ältere Handy-Generationen |
| Hochschule Maribor 2022 | 10 Handys | 4.000-K-LED, Dunkelraum | wenige Prozent bis 100 % | eine Lichtart, Mischlicht und Tageslicht anders |
| licht.de | nicht angegeben | Praxisaussage | Fehlerquoten bis über 50 % | zusammenfassende Aussage, keine eigene Messreihe |
Warum die Handys so streuen, vermutet die DGUV: Die in DIN 5032-7 geforderten Kenngrößen, die Anpassung an die Augenempfindlichkeit V(λ) und die cosinusgetreue Bewertung des schräg einfallenden Lichts, konnten die Smartphone-Kameras nicht abbilden. Ein Handy „sieht“ Licht eben nicht wie ein Auge.
Das klingt vernichtend. Ganz so einfach ist es nicht.
Was die Studien nicht beweisen: alte Handys, kleine Stichproben
Die DGUV schreibt selbst, eine Stichprobe mit drei Smartphones sei keine abgesicherte Statistik. Ihr Fazit lautet trotzdem: Smartphones mit App seien bisher kein auch nur ansatzweise taugliches Messmittel, um Beleuchtungssituationen zuverlässig zu beurteilen. DIAL nennt Apps selbst für eine orientierende Messung „absolut unbrauchbar“.
Dagegen steht die schwedische Arbeitsschutzbehörde (Arbeitsmiljöverket): Für gängige Modelle, die sie für ihre App kalibriert hat, blieben alle Fehler unter 20 Prozent, im Mittel unter 10 Prozent — mehr sei nicht auszuschließen. Die Maribor-Autoren halten die meisten Handys für Zuhause, Fotografie oder Pflanzenwuchs für brauchbar, für genauere Messungen brauche es weiterhin Profi-Luxmeter.
Dazu kommt: Die DIAL-Handys waren iPhone 5 bis 6, Galaxy S5 und ihre Zeitgenossen, also ältere Geräte. Und keine dieser Reihen ist unsere eigene. Meine Einschätzung: Ein ungeprüftes Handy mit beliebiger App ist ein Zufallsgenerator; ein geprüftes Handy mit sauberem Verfahren reicht für Grobes.
So messen Sie so sauber, wie ein Handy es hergibt
Das Verfahren zählt mehr als die App-Wahl.
Erst prüfen, was Ihr Handy misst
Android-Handys lesen laut den Maribor-Autoren meist den Lichtsensor aus, der sonst die Display-Helligkeit regelt, iPhones messen über die Kamera. Auf einem getesteten Android-Handy zeigten alle elf Apps denselben Wert: 787 lx bei 400 lx Referenz. Eine zweite App liefert dort keine zweite Meinung, nur denselben Sensor. Auf dem iPhone streuen die Apps; dort zeigt der Vergleich wenigstens die Unsicherheit.
Die 30-Sekunden-Probe: Decken Sie den Sensor mit Finger oder Schachtel ab. DIAL beobachtete, dass einige Apps niemals 0 lx anzeigen, auch nicht bei lichtdicht abgedeckter Kamera. Kommt Ihre App nicht in die Nähe von 0, taugt sie höchstens für Tendenzen.
Wichtig ist auch die Seite: DIAL maß mit der Frontkamera beziehungsweise dem Helligkeitssensor auf der Displayseite und fand, dass Rück- und Frontkamera häufig völlig unterschiedliche Werte liefern. Richten Sie die Seite zur Lampe, die Ihre App-Anleitung nennt.
Zeit, Dunkelheit, Aufwärmen
Schalten Sie die Lampe mindestens fünf Minuten vor der Messung ein, so verlangt es die schwedische Behörde für ihre App. Messen Sie am besten abends, wenn kein Tageslicht stört. Geht das nicht, messen Sie bei eingeschalteter und unmittelbar danach nochmals bei ausgeschalteter Anlage; die Differenz entspricht laut licht.de der Beleuchtungsstärke des künstlichen Lichts. Beispiel mit angenommenen Zahlen: 640 lx mit Lampe, 410 lx ohne ergeben 230 lx Kunstlicht.
Ort, Höhe, Haltung
Messen Sie dort, wo das Licht gebraucht wird: auf der Tischplatte, auf der Buchseite, auf Blattebene. Für Arbeitsstätten nennt licht.de horizontale Messungen 0,75 m über dem Boden. Das Messraster darf laut licht.de nicht mit dem Rastermaß der Leuchten übereinstimmen, sonst messen Sie unter den Leuchten nur Maximalwerte (Vorgaben: DIN EN 12464 und DIN EN 12193).
Legen Sie das Handy flach hin, den Sensor zur Lampe, und treten Sie zurück, damit Ihr Körper keinen Schatten wirft. Manche Apps verlangen ein Blatt Papier vor der Linse oder das Handy mit dem Display nach unten; dann gilt deren Anleitung.
Flach auf die Arbeitsfläche, die messende Seite zur Lampe (je nach Handy Display- oder Rückseite), ohne eigenen Schatten.
Der Pflanzenplatz
Für Pflanzen messen Sie auf Blattebene, tagsüber zur Lichtzeit. Lux bewertet Licht wie das Auge, nicht wie die Pflanze (Stichwort PAR). Tageslicht ist zudem heikel: Bei Maribor wich es anders ab als die LED. Die Lux-Richtwerte für Zimmerpflanzen sagen, eine Smartphone-App messe nur grob — hier lesen Sie, was „grob“ praktisch heißt.
Zahl oder Ampel? So lesen Sie das Ergebnis
Vertrauen Sie nicht der Zahl, sondern einer Bandbreite. Die Anzeige ist der Fehlerfaktor mal der wahre Wert. Sicher zu dunkel ist es, wenn die Anzeige höchstens Zielwert mal kleinster Faktor beträgt, sicher ausreichend ab Zielwert mal größter Faktor. Dazwischen können Sie nichts sagen. Die Tabelle ist selbst gerechnet, mit den Annahmen in den Spaltenköpfen, und keine Norm.
| Zielwert | Annahme ±20 % (kalibriertes Handy): zu dunkel · unklar · ausreichend | Annahme ±50 %: zu dunkel · unklar · ausreichend |
|---|---|---|
| 300 lx | bis 240 · 240–360 · ab 360 | bis 150 · 150–450 · ab 450 |
| 500 lx | bis 400 · 400–600 · ab 600 | bis 250 · 250–750 · ab 750 |
| 1.000 lx | bis 800 · 800–1.200 · ab 1.200 | bis 500 · 500–1.500 · ab 1.500 |
Die Ampel gilt nur für die Annahme ±50 %; je schlechter das Handy, desto größer die graue Zone.
Die ±20 % stammen aus der Kalibrierung der Behörde für ihre Modelle und gelten nicht für ein beliebiges Handy. Die ±50 % sind eher die Untergrenze: licht.de nennt „Fehlerquoten bis über 50 Prozent“, und einzelne Handys liegen weit darüber. Das Maribor-Android-Handy (787 lx bei 400 lx Referenz) stünde bei 500 lx Ziel im Feld „hell genug“, obwohl es zu dunkel ist, und den Abdecktest würde es vermutlich bestehen, denn der prüft nur den Nullpunkt. „Ausreichend“ heißt deshalb: mit diesem Handy wahrscheinlich, nicht sicher.
Wer den Laborextremen glaubt, braucht noch größere Abstände: Mit DIALs Mittelwert für iPhones (rund 60 % unter den Referenzwerten) und dem Höchstwert von 113 % einer anderen Kombination reicht es bei 500 lx Ziel erst ab etwa 1.065 lx sicher, und unter 200 lx sicher nicht. Das mischt einen Mittelwert mit einem Höchstwert aus verschiedenen Messungen und ist bewusst grob; ein einzelner iPhone-Wert lag sogar 89 % unter der Referenz.
Zwei Beispiele, Annahme ±50 %:
- Schreibtisch, Ziel 500 lx (Herleitung: so planen Sie die Helligkeit im Home Office): 180 lx sind klar zu dunkel, 380 lx unklar — nicht schönrechnen, 900 lx reichen.
- Pflanze mit mittlerem Lichtbedarf, Erhaltungsziel 1.000 lx: 400 lx liegen klar darunter, 1.700 lx klar darüber.
Bei „unklar“ hilft eine zweite Messung mit demselben Handy wenig, sie wiederholt den Fehler; entscheiden kann dann nur ein Luxmeter. Bei „zu dunkel“ zeigt die Beispielrechnung im verlinkten Home-Office-Ratgeber, wie viel Lichtstrom für 500 lx nötig ist.
Auch Vergleiche tragen nur begrenzt. Bei DIAL blieb die Abweichung nicht konstant: Ein iPhone 5 mit einer App zeigte bei 10 lx 180 % zu viel und bei 10.000 lx 50 % zu wenig; bei Maribor blieb sie je Handy unter der LED im Dunkelraum nahezu konstant. „Doppelt so hell“ gibt ein Handy also nicht her. Selbst die Richtung ist nicht sicher (Gerät 2 der DGUV): Prüfen Sie, dass die Anzeige mitgeht, wenn Sie die Lampe heller stellen.
Wann Sie ein echtes Luxmeter brauchen
licht.de teilt Lichtmessgeräte in drei Klassen: A für Präzisionsmessungen, B für Betriebsmessungen, C für orientierende Messungen. Zu jeder Messung gehört dort ein Protokoll mit Werten, Umfeldbedingungen und Angaben zu Lichtquellen, Leuchten und Geometrie.
Brauchen Sie das? Sobald jemand anderes die Zahl glauben muss: bei der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz, nach einer Umrüstung bei Beschwerden, bei Streit mit Vermieter oder Arbeitgeber. Was für Büros gilt, steht in den Normwerten und Messpflicht im Büro. Zeigt Ihr Handy am Arbeitsplatz wiederholt zu niedrige Werte, rät die schwedische Behörde, Vorgesetzte oder Sicherheitsbeauftragte zu informieren; sie können eine genauere Messung mit professionellen Photometern beim arbeitsmedizinischen Dienst veranlassen.
Messgrenze: Das Handy darf grob sortieren („klar zu dunkel“, „klar hell genug“). Alles, was jemand anderem als Beleg dienen soll, messen eine fachkundige Person oder ein Dienstleister mit kalibriertem Luxmeter.
Fünf Messfehler, die Sie sich sparen können
Direkt unter der Lampe messen. Dort stehen Maximalwerte, Sie sitzen aber daneben. Messen Sie, wo gelesen und geschrieben wird.
Der eigene Schatten. Eine Hand oder Schulter über dem Sensor verfälscht den Wert. Treten Sie zurück und nutzen Sie, wenn die App es bietet, die Startverzögerung.
Lux mit Lumen verwechseln. Lumen sagt, wie viel Licht eine Lampe abgibt, Lux, wie viel davon auf der Fläche ankommt. Warum die Lux-Zahl mit dem Abstand fällt, ist dort erklärt; Lumen und Lux im Anschauungsvergleich zeigt die Größenordnungen.
Eine zweite App als Gegencheck auf dem Android-Handy. Liest sie denselben Sensor, ist das Wiederholung, keine Bestätigung.
Frisch eingeschaltete Lampe oder Tageslicht im Raum. Warten Sie die fünf Minuten ab und trennen Sie Kunst- und Tageslicht per An-Aus-Messung.
Häufig gestellte Fragen
Wie genau sind Luxmeter-Apps?
Das hängt von Handy, App und Lichtart ab: Prüfungen fanden Abweichungen von wenigen Prozent bis über 100 Prozent, licht.de nennt Fehlerquoten bis über 50 Prozent. Lesen Sie das Ergebnis als Bandbreite: Liegt Ihr Handy höchstens 50 % daneben, ist es unter dem halben Zielwert zu dunkel und reicht über dem 1,5-Fachen (kein Normwert). Ein Handy, das stärker abweicht, kann auch dann täuschen.
Welche Luxmeter-App ist die beste?
Eine Empfehlung geben wir nicht, denn Handy und Lichtart zählen mindestens so viel wie die App. Auf einem Android-Handy der Maribor-Studie zeigten alle elf Apps denselben Wert, auf einem iPhone streuten fünf Apps zwischen 136 und 400 lx. Prüfen Sie Ihre App mit abgedecktem Sensor: Sie sollte nahe 0 lx anzeigen.
Welche Kamera oder welcher Sensor misst das Licht?
Das hängt von Handy und App ab. Das Lichtlabor DIAL maß mit Frontkamera beziehungsweise Helligkeitssensor auf der Displayseite und fand, dass Rück- und Frontkamera häufig völlig unterschiedliche Werte liefern. Richten Sie die Seite zur Lampe, die Ihre App-Anleitung nennt.
Reicht die Handy-Messung für den Arbeitgeber oder eine Gefährdungsbeurteilung?
Nein. Für Gefährdungsbeurteilung, Abnahme, Streitfälle und Nachweise brauchen Sie ein kalibriertes Luxmeter, bedient von einer fachkundigen Person oder einem Dienstleister. Das Handy darf höchstens grob sortieren. Ob und wann in Büros gemessen werden muss, erklärt der Ratgeber zu Büro- und Gewerbebeleuchtung nach DIN-Normen.
Wie viel Lux sollte ich am Schreibtisch messen?
Nach licht.de sollte die Beleuchtung am Arbeitsplatz mindestens 500 Lux haben, rund um den Arbeitsplatz mindestens 300 Lux. Mit dem Handy prüfen Sie das nur grob: unter 250 lx ist es zu dunkel, ab 750 lx reicht es (Annahme ±50 %, kein Normwert). Mehr dazu im Home-Office-Ratgeber.
Kann ich mit der App prüfen, ob meine Pflanze genug Licht bekommt?
Grob ja, wenn Sie auf Blattebene und zur Lichtzeit messen. Lux bewertet Licht wie das Auge, nicht wie die Pflanze. Die Zielwerte je Pflanzengruppe stehen im Ratgeber Pflanzenbeleuchtung für Zimmerpflanzen.
Fazit
Das Handy ist ein Grobsortierer, mehr nicht. Es erkennt „klar zu dunkel“ und „klar hell genug“, wenn Sie sauber messen und die Anzeige als Bandbreite lesen. Wo die Zahl jemandem als Beleg dienen soll, braucht es ein kalibriertes Luxmeter.
Heute Abend, Lampe fünf Minuten an, Handy flach auf die Arbeitsfläche, dreimal messen — dann in die Ampel-Tabelle schauen. Zeigt sie „klar zu dunkel“, fehlt Lichtstrom: Was Ihre Lampe liefert, rechnen Sie im Ratgeber von Watt zu Lumen um; Ideen für die Arbeitsecke bietet Licht für die Arbeitsecke im Wohnzimmer.
Kostenloser Versand in Deutschland | 3-5 Jahre Garantie
Quellen & weiterführende Links
- DGUV-IAG — Beleuchtungsmessung mit Smartphone-Apps (Kurzbericht 11/2017)
- DIAL — Luxmeter App vs. Messgerät
- Vujica Herzog u. a. — Comparison between Lux Meter Apps and Illumination Measuring Devices (DAAAM 2022)
- licht.de — Lichtmessung
- licht.de — Ergonomie und Beleuchtung im Homeoffice
- Arbeitsmiljöverket — Measure light with your mobile (englisch)
- DIN 5032-7 (zitiert nach DGUV-IAG 11/2017)
- DIN EN 12464 und DIN EN 12193 (zitiert nach licht.de, Abschnitt „Messraster anlegen und Messhöhe beachten“)